Eine Schlange der Hoffnung mit 1.000 Gliedern

In Ursberg ist eine lange Polonaise aus bunt bemalten Steinen entstanden

Die kleinen Kunstwerke sorgen für ein besonderes Gemeinschaftsgefühl in einer Zeit zwischenmenschlichen Abstands

Es ist ein ungewöhnliches Wesen, das sich zurzeit wie ein überdimensionaler, bunter Wurm um das Haus Betanien des Dominikus-Ringeisen-Werks im Norden von Ursberg windet. Es besteht aus ganzen Marienkäfer-Familien, Vögeln mit bunten Schnäbeln, lustigen Katzen-Gesichtern, süßen Schweinchen, grünen Fröschen und gelben Küken, prächtigen Regenbögen, Autos mit Anhängern, drolligen Häuschen, sowie aus persönlichen Gruß-, Segens- und Motivationssprüchen wie „Bleibt gesund“, „Wer glaubt ist nie allein“ und „Wir vermissen euch“. Alle Motive sind auf faustgroße Kieselsteine gemalt und geschrieben worden. Manche Steine sind signiert. Sie wurden hintereinander am Wegesrand abgelegt und so wuchs die bunte Polonaise schnell Meter um Meter. Nun kam sogar der 1.000ste Stein dazu.

John Maier, Besucher der Förderstätte, legt stolz seinen Stein an. Dieser ist einer von mittlerweile 1.000 Unikaten, die sich in einer langen Reihe rund um Haus Betanien in Ursberg schlängeln.
Bild: DRW

Die Idee entstand aus der Not heraus. „Es war und ist immer noch eine besondere Zeit voller Verzicht und Einschränkungen für unsere Bewohnerinnen und Bewohner“, erzählt die Projekt-Initiatorin Kathrin Fink, Leiterin der Seniorenstätte der Wohneinrichtungen St. Maria und St. Anna/Elisabeth. Die Gruppe kann bereits seit März nicht in der gewohnten Weise mit allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden. Menschen mit Behinderung gehören zur Risikogruppe für das Corona-Virus und müssen nach wie vor besonders geschützt werden. „Getrennte Kleingruppen mit Einzelbetreuung – das war die Lösung“, erklärt Kathrin Fink. Genau am 21. April, erzählt sie, habe die Aktion „Bunte Steineschlange“ begonnen.

„Wir wollen Positives bewirken und zeigen, dass wir trotz aller Beschränkungen etwas gemeinsam gestalten und erleben können“, so Kathrin Fink. Es begann mit ein paar Steinen, bemalt von den Besucherinnen und Besuchern der Seniorenstätte. Schnell wurden Mitarbeitende im Dominikus-Ringeisen-Werk und Spaziergänger aufmerksam auf die Aktion und beteiligten sich ebenso daran. „Mit der Zeit entstanden richtige kleine, fantasievolle Kunstwerke“, freut sich Fink über die Kreativität der Künstler, die jeden abgelegten Stein zu einem Unikat macht. Am 8. Juli kam schließlich ein ganz prominenter „Mut-mach-Stein“, wie Fink ihre 1.000 bunten Botschafter der Hoffnung nennt, dazu: Bischof Bertram Meier signierte beim Besuch in Ursberg einen von einem Senior bemalten Stein mit den Worten „Gott sei mit euch“. Wer einen weiteren Mut-Mach-Stein anlegen möchte, ist laut Kathrin Fink weiterhin herzlich dazu eingeladen.

Signiert von einem besonderen Gast: Auch Bischof Bertram Meier ließ einen Gruß der Ermutigung in Ursberg zurück.
Bild: DRW

Bildunterschrift: Kathrin Fink präsentiert den 1.000sten Mut-mach-Stein, ganz in Gold.

Bilder: DRW

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