Mittelschule Thannhausen bewertet Barrierefreiheit

Schülerinnen und Schüler zeichnen barrierefreie Geschäfte und Einrichtungen in der Stadt aus

Mit dem Projekt „Ist meine Stadt barrierefrei“ haben Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Thannhausen Geschäfte unter die Lupe genommen. In Zusammenarbeit mit dem Patientenbeirat Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), dem Inklusionsprojekt GRENZENLOS des Dominikus-Ringeisen-Werkes und dem Behindertenbeauftragten des Landkreises Günzburg, Johannes Schropp, wurden zwei Projekttage durchgeführt. Dazu hatte die Mittelschule auch Menschen mit Behinderungen als Betroffene eingeladen. Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wurde schnell klar: Behinderung ist nichts Abstraktes. Eine Behinderung kann jeden treffen, sei es durch einen Unfall oder eine schwere Erkrankung. Der zweite Projekttag stand unter dem Aspekt der Selbsterfahrung. In Kleingruppen und mit vom Sanitätshaus Ursberg zur Verfügung gestellten Rollstühlen erkundeten die Schülerinnen und Schüler die Stadt und deren Geschäfte in puncto Barrierefreiheit. Überprüft wurde zum einen die Zugänglichkeit von Gebäuden. Aber auch, ob es in Restaurants bebilderte Speisekarten gibt für Menschen, die beispielsweise nicht lesen können.

Hört man den Begriff „Barrierefreiheit“, denken viele Menschen sofort an abgesenkte Bordsteine und Rollstuhlrampen. Das ist richtig. Auch wenn es im öffentlichen Raum immer noch viele bauliche Barrieren gibt, die Menschen mit Assistenzbedarf, Senioren oder Eltern mit Kinderwagen behindern, hat sich in den letzten Jahren doch einiges getan und zum Guten verbessert. Barrierefreiheit betrifft aber auch sprachliche oder soziale Barrieren. Ein öffentlicher Aushang einer Behörde kann eine Barriere darstellen, weil Menschen mit Lern- oder geistiger Behinderung ihn nicht verstehen. Auch soziale Barrieren, beispielsweise eine ablehnende oder voreingenommene Haltung führt dazu, dass Menschen mit Assistenzbedarf nicht vollumfänglich am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

Den Schülerinnen und Schülern war es ein Anliegen, entsprechende Faktoren zu prüfen. Im Erfolgsfall überreichten die Schülerinnen und Schüler einen Aufkleber, der im Schaufenster des Geschäfts auf die Barrierefreiheit hinweist. Unter ihnen ist auch die Inhaberin des Fotogeschäfts Ziche, Renate Schrodi. Sie freut sich über die Auszeichnung: „Unsere Geschäftsräume liegen ebenerdig, es gibt keine Stufen oder andere Barrieren. Damit können Rollstuhlfahrer oder mobilitätseingeschränkte Personen ohne Probleme zu uns kommen.“ Ihr ist es aber auch wichtig, Menschen mit Behinderungen auf Augenhöhe zu begegnen. „Das ist eine Frage der persönlichen Haltung,“ sagt Schrodi. Gerade beim Fotografieren sei es wichtig, sich auf sein Gegenüber einzulassen. Dabei spiele es keine Rolle ob jemand eine Behinderung habe oder nicht.

Die Bilanz des Mittelschulprojekts kann sich sehen lassen: Insgesamt wurden 46 Aufkleber an Geschäftsleute übergeben. Trotzdem gibt es noch Luft nach oben: „Es gibt zu wenige barrierefreie Toiletten in Restaurants,“ resümierten die Schüler. Auch der Busfahrplan an den Haltestellen sei sehr klein geschrieben. Mit einer Sehbehinderung könne man den Plan eher schlecht lesen. Für Anita Landherr, Projektleiterin im Dominikus-Ringeisen-Werk sind es spannende Erkenntnisse, die die Zusammenarbeit mit der Mittelschule ans Tageslicht gebracht hat: „Die Umsetzung von Barrierefreiheit und Teilhabe ist ein Prozess. Auch kleine Schritte helfen hier weiter. Wir verstehen uns nicht als diejenigen, die mit erhobenem Zeigefinger auf Missstände hinweisen. Unsere Rolle ist eher, Ideen und Anregungen zu vermitteln, die dazu führen, dass alle Menschen gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.“

Zum Bild (Dominikus-Ringeisen-Werk): Auch das Fotogeschäft Ziche und das Modegeschäft Schrodi sind barrierefrei zugänglich. Den Aufkleber überreichten Schülerinnen und Schüler der Mittelschule mit ihrer begleitenden Lehrkraft Petra Beuer sowie Anita Landherr und Johannes Schropp an die Inhaberin Renate Schrodi und Mitarbeiterin Monika Halbritter (v.l.).

Info: Das Inklusionsprojekt „GrenzenLos – Damit Menschen mit und ohne Behinderung gut zusammen leben können“ ist eine Kooperation des Dominikus-Ringeisen-Werks in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Balzhausen, der Stadt Krumbach, dem Markt Münsterhausen, der Stadt Thannhausen, der Gemeinde Ursberg und dem Markt Ziemetshausen. Es möchte Teilhabe und Inklusion voranbringen. Inklusion geht alle Bürger an, egal ob alt oder jung, unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Ethnie oder individuellen Fähigkeiten. Für die Teilhabe aller Bürger am gesellschaftlichen Leben ist Barrierefreiheit eine Voraussetzung. Sei es baulich, sprachlich oder sozial. Alle Menschen sollen überall dabei sein können. Dafür wollen die Mitarbeiter des Projekts Möglichkeiten in den beteiligten Kommunen schaffen. Die Aktion Mensch fördert das Projekt mit seiner Initiative „Kommune Inklusiv“.

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