Die Fahne hängt auf Halbmast

Heimbereich “Wohnen und Fördern” verabschiedet den Vorstandsvorsitzenden der Bezirkskliniken Schwaben, Thomas Düll

Vor ihm steht eine kleine Standarte, an der eine Flagge auf Halbmast hängt. Die Flagge zeigt Thomas Düll als Mannschaftskapitän bei einem internen Fußballturnier. Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Bezirkskliniken Schwaben hat dieses kleine Präsent von Gerhard Becker nicht zufällig bekommen. Es drücke die aktuelle Stimmungslage bei „Wohnen und Fördern“, dem außerklinischen Bereich der Bezirkskliniken aus, sagte der Geschäftsleiter, der zugleich Einrichtungsleiter am Standort Günzburg ist, bei einer kleinen Verabschiedungsfeier. „Obwohl mir und uns gar nicht zum Feiern ist. Der Anlass ist kein schöner“, so Becker. Die gemeinsame Zeit mit Thomas Düll als „Chef“ sei eine sehr schöne gewesen, „Ihren Weggang  bedauere ich sehr“. Für Becker, selbst seit 1987 bei den Bezirkskliniken Schwaben bzw. beim Bezirkskrankenhaus (BKH) Günzburg,  sei Düll zwar manchmal „ein harter Hund, aber stets gerecht“ gewesen. Wie berichtet, scheidet der Vorstandsvorsitzende zum 01.02.2021 aus, weil sein Vertrag nicht verlängert wird.

Wohnen und Fördern ist innerhalb des Gesundheitsunternehmens ein eigener Geschäftsbereich. Er behandelt einerseits pflegebedürftige Menschen, die sehr schwere psychische Erkrankungen haben. Andererseits kümmert er sich um chronisch seelisch-behinderte Menschen. Am Standort Günzburg, zu dem auch die Tagesstätte „Café Zott“ in Krumbach gehört, arbeiten etwas mehr als 100 Frauen und Männer. „Mit 142 stationären Plätzen und betreuten Wohngruppen sind wir die größte  Pflege- und Behinderteneinrichtung in der Großen Kreisstadt“, sagt Geschäftsleiter Becker.

Dass dies heute so ist und dass „Wohnen und Fördern“ mit seinen Heimen, Tagesstätten und betreuten Wohngruppen inzwischen eine wichtige Säule in der gesamtpsychiatrischen Versorgung Schwabens darstellt, sei nicht selbstverständlich und insbesondere das Verdienst von Thomas Düll, so Gerhard Becker. „Die Entwicklung von Wohnen und Fördern im gesamten Regierungsbezirk ist sehr, sehr gut. Sie sind derjenige, der maßgeblich Anteil daran hat und das Kommunalunternehmen voran gebracht hat“, meinte er lobend in Richtung des Vorstandsvorsitzenden.

Dieser erinnert sich noch genau, wie schwierig die Zeit damals war. Ehe er 1997 zu den Kliniken wechselte, war Düll 1995/96 Leiter der überörtlichen Sozialhilfe beim Bezirk Schwaben. „Damals musste ich die 2. Stufe der Pflegeversicherung, die den stationären Sektor betroffen hat, vor Ort umsetzen.“ Und zwar überall dort, wo Pflege im Vordergrund steht und nicht die psychiatrische Behandlung. Laut Düll hatte dies bedeutet, dass vor allem die alteingesessenen Häuser Einrichtungen BKH Günzburg und BKH Kaufbeuren ihre jeweiligen Langzeitbereiche auflösen und die nach der Enthospitalisierung übriggebliebenen Bewohnerinnen und Bewohner in Heimstrukturen überführen mussten. „Das war komplett Neuland für die Kliniken“, so Düll.

Ein Jahr später – nach seinem Wechsel Dülls zum Verantwortlichen für die psychiatrischen Krankenhäuser Schwabens  – hatte sich allerdings nichts getan. „Die betroffenen Menschen in unseren Einrichtungen waren in den Augen der damaligen Leitungen immer noch Patienten, keine Bewohner, Besucher oder Klienten wie heute“, blickte Düll zurück. Man fühlte sich als BKH-ler, im Kopf habe es nur das Krankenhaus mit seinen Stationen, Stationszimmern und weißen Kitteln gegeben. Doch die Führungsspitze blieb standhaft. Düll: „Nein, solche Menschen gab es damals und gibt es bis heute. Wir haben die Augen nicht verschlossen.“ Der neue Vorstandsvorsitzende musste umkrempeln, der damalige Bezirkstagspräsident und der Bezirkstag trugen die notwendigen Entscheidungen zum Strukturwandel mit.

Gegen zum Teil große Widerstände von intern wie extern wurden die bisherigen Heime behalten, jedoch umstrukturiert. „In den 90ern hieß es, die BKH seien doch keine Heimbetreiber, nur Akutversorger. Da ist massiver Druck ausgeübt worden“, so Düll. 2008 wurden die Bezirkskliniken Schwaben als eigenständiges Kommunalunternehmen aus der Taufe gehoben. Ein Jahr später – im Juni 2009 – wurde der Bereich „Wohnen und Fördern“ gegründet. Heute würden ausgerechnet aus dem Kreis jener, die damals vehement dagegen waren, Anfragen kommen, ob die Bezirkskliniken Schwaben nicht neue Heime schaffen oder die Platzzahlen erhöhen könnten. „Der Bereich Wohnen und Fördern hat sich längst etabliert. Er deckt für die Gesellschaft wichtige Bereich ab.“  Man habe sich einen guten Ruf erworben und Respekt verschafft – intern wie extern.

Er, Düll, sei sehr zufrieden, dass sich die Idee durchgesetzt habe – inhaltlich wie finanziell.  Wohnen und Fördern werde in diesem Jahr voraussichtlich an allen Standorten überschaubare, aber eben schwarze Zahlen schreiben, kündigte der Vorstandsvorsitzende an. „Es hat sich gezeigt, dass man als Vorstand Ausdauer und Geduld haben muss.“ Achim Crede, Beckers Stellvertreter als Geschäftsleiter und zugleich Leiter Süd von Wohnen und Fördern, bezeichnete dies als „fachlich ganz großen Erfolg, den wir Ihnen, Herr Düll, zu verdanken haben“.

Die Entwicklung geht weiter. Der Bau eines neuen Pflegeheimes in Günzburg steht nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden in den Startlöchern. „Wir haben inzwischen alle Genehmigungen.“ Demnächst soll mit dem Abriss von Haus 56 („Haus Olympia“) begonnen werden. An seiner Stelle entsteht das neue Gebäude, für das die Bezirkskliniken eine niedrige achtstellige Summe investieren werden.

Die Fahne hängt auf Halbmast: Dieses Präsent für den scheidenden „Mannschaftskapitän“ Thomas Düll (im Bild) drücke die Stimmungslage bei „Wohnen und Fördern“ aus, sagte Geschäftsleiter Gerhard Becker.

Bild: Schalk

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